Freitag, 22. Oktober 2010

Steyr: Fackelzug für Familie Komani

ORF-OÖ, 22.10.2010
Steyr: Fackelzug für Familie Komani
1.000 Personen haben am Donnerstagabend in Steyr an einem Fackelzug für die Flüchtlingsfamilie Komani aus dem Kosovo teilgenommen. Die Zwillingsmädchen und ihr Vater waren erst kurz zuvor nach Österreich zurückgekehrt.

Kritik an Politikern
Bei der Kundgebung rief der gebürtige Steyrer Schriftsteller Erich Hackl Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) zum Rücktritt auf. Er kritisierte in seiner Rede aber auch noch andere Politiker.

"Versündigt euch nicht gegen das Kind"
Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) würden in ihrer Zurückhaltung Bundespräsident Heinz Fischer noch übertreffen. Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) sei stumm geblieben, auch Bürgermeister Gerald Hackl (SPÖ) dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen.

Polizisten sollten sich fragen, ob Gehorsam oder Gewissen schwerer wiege, betonte der Autor, der auf eine Inschrift auf der Steyrer Pfarrkirche Christkindl hinwies: "Versündigt euch nicht gegen das Kind."

Inhumane Praxis
Altbischof Maximilian Aichern appellierte an Landes- und Bundespolitiker, endlich mit der "inhumanen Praxis" aufzuhören, unbescholtene und gut integrierte Menschen abzuschieben. Wenn die Politik mit der Verantwortung umgehe "wie mit einer heißen Kartoffel", sei es an der Bevölkerung, Verantwortung zu übernehmen, sagte Superintendent Gerold Lehner.

Wenn Familien auseinandergerissen würden, müsse man Grenzen aufzeigen, machte er wie seine Vorredner auf weitere Betroffene aufmerksam.

"Schäbiges Flüchtlingsabwehrland"
Bald 20 Jahre gebe es Proteste gegen "rechte Hetze", so der Vorsitzende von SOS Menschenrechte, Gunther Trübswasser. Österreich habe sich zu einem "ängstlichen, schäbigen Flüchtlingsabwehrland" entwickelt. "Ich schäme mich für diese Regierung."

Politik trägt ebenfalls Verantwortung
Nicht nur die Innenministerin trage Verantwortung, sondern auch die Politiker, die die Gesetze mitbeschlossen hätten, betonte Christian Schörkhuber von der Volkshilfe Oberösterreich.

"Hier in Steyr wird ein Zeichen gesetzt, dass Widerstand auch erfolgreich sein kann." Integration sei eine Herausforderung, schaffe aber sicher einen Mehrwert, sagte der Präsident der oberösterreichischen Pfadfinder, Christoph Wurm. Seine Organisation zähle 38 Millionen Mitglieder in 215 Ländern.

"Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht", erklärte der Initiator der Veranstaltung und der Arbeitsgruppe "Komani come home", Erich Schlagitweit.


Der Standard, 22.10.2010
Zukunft der Komanis bleibt unsicher
Weder das Innenministerium noch das Magistrat Wien fühlt sich für die Entscheidung über ein humanitäres Bleiberecht der Familie Komani zuständig

ORF-Religion, 21.10.2010
Asyl: Glaubensvertreter vollzogen Schulterschluss für Kinder
Die großen Religionsgemeinschaften in Österreich haben einen Schulterschluss für die Wahrung der Kinderrechte vollzogen. Anlass dafür sind jüngste Fälle, bei denen Minderjährige Asylwerber in Schubhaft geraten sind.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Mädchen sollte zwecks Abschiebung in der Schule verhaftet werden

Pax Christi Burgenland ist über die immer absurder werdenden Praktiken von Kinderabschiebungen durch das Innenministerium schockiert.
Wir unterstützen die Forderung vieler ziviler und kirchlicher Einrichtungen an die Abgeordneten zum Nationalrat nach uneingeschränkter Aufnahme der Kinderrechtskonvention in die Verfassung.


ort.at, 14.10.2010
Kinderrechte sollen in Verfassung
Bundespräsident Heinz Fischer hat sich für die rasche gesetzmäßige Verankerung der Kinderrechte ausgesprochen. Es dürfe nicht mehr passieren, dass Kinder in Gefängnisse und Schubhaftanstalten kämen, sagte er vor Vertretern mehrerer Hilfsorganisationen, die er am Donnerstag zu einem Gespräch empfangen hatte.

ORF.at, 14.10.2010
Für Aufregung sorgt seit Mittwoch ein neuer Abschiebefall. Am gleichen Tag, an dem Innenministerin Fekter (ÖVP) eine humanere Vorgehensweise bei der Abschiebung von Familien ankündigte, versuchten Fremdenpolizisten, ein armenisches Mädchen aus einer Wiener Schule abzuholen. Die 14-Jährige ist seither untergetaucht. Ihre Mutter wurde am Mittwochvormittag in Schubhaft genommen, aus dieser aber mittlerweile wieder entlassen. Sie sei mitten in der Nacht alleine und ohne Information vonseiten der Polizei vor dem Volkshilfe-Flüchtlingswohnheim gestanden, so ein Sprecher der Volkshilfe.

Ö1-Morgenjournal, 14.10.2010
Fekter verteidigt neue Abschiebung
14-Jährige vor Polizeiaktion untergetaucht
Fekter: "In Österreicht gibt es kein Bleiberecht!"

APA-Presseaussendung der Volkshilfe, 14.10.2010
Volkshilfe Wien-Hatzl: Erneute Inschubhaftnahme einer suizidgefährdeten Asylwerberin, 14-jährige Tochter nicht auffindbar!
Der Vorsitzende der Volkshilfe Wien und ehemalige Wiener Landtagspräsident Johann Hatzl ersucht Vizekanzler Josef Pröll, seine offenbar wild gewordene Innenministerin mit ihren Polizeistaat-ähnlichen Abschiebemaßnahmen zurückzurufen. Den Anlass dafür gab die heutige Inschubhaftnahme einer armenischen Asylwerberin, die seit mehreren Jahren in Wien in Betreuung der Volkshilfe lebt.

ORF, 20.10.2010
„Komplex“ und „unklar“: Die Willkür im Fremdenrecht
Ist die Sicherheitsdirektion oder der Magistrat letztverantwortlich für Abschiebungsbescheide? Liegt es nur am Verwaltungsgerichtshof, dass die Asyl- und Bleiberechtsverfahren so lange dauern, wie Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) dem Gericht vorwirft? Über die tatsächlichen Zuständigkeiten und Verantwortungsbereiche im Asyl- und Fremdenrecht sind sich nicht einmal die Experten einig. Vieles im Gesetz Geregelte sei unklar und durch zahlreiche Novellierungen - auch aus Anlassfällen heraus - komplex. Selbst Fekter war offenbar vor wenigen Monaten bei Kompetenzfragen in Bleiberechtsfällen noch anderer Meinung.

Montag, 11. Oktober 2010

Bischof Dom Erwin Kräutler in der Bergkirche Eisenstadt



Der austro-brasilianische Befreiungstheologe erzählt am 27.10.2010 aus seinem Leben in Amazonien und liest aus seinem neuen Buch

Im Rahmen von „HIMMEL und HAYDN“ ist am Mittwoch, 27. Oktober 2010 der aus Österreich stammende brasilianische Bischof Erwin Kräutler zu Gast in der Bergkirche Eisenstadt. „Zur Musik von Joseph Haydn habe ich einen ganz besonderen Bezug, seine Schöpfung höre ich so oft es geht. Noch immer klingt die Aufführung vom 31. Mai dieses Jahres in mir, die ich in der Haydnkirche miterleben durfte!“ so Bischof Kräutler (im Bild in der 1. Bank neben Bischof Iby sitzend). Im Oktober wird er aus seinem bewegten und bewegenden Leben erzählen, wo Musik immer wieder eine wichtige Rolle gespielt hat.

Erwin Kräutler wurde 1965 im Dom zu Salzburg zum Priester geweiht. Schon wenige Wochen später war mit dem Volk Gottes am Xingu (Brasilien) unterwegs. Seit 1982 ist er im weltweit größten Kirchengebiet Bischof. Die Prälatur am Xingu ist mehr als viermal so groß wie Österreich und im artenreichen, geheimnisvollen, überwältigenden Amazonien gelegen: einer zunehmend bedrohten Mit-Welt.

Dom Erwin, wie er in Brasilien genannt wird, verglich seinen bewegten Alltag vor Jahren mit dem Amazonas, dem wasserreichsten Strom der Erde. Wie Ebbe und Flut, Ruhe und Sturm, ist sein Leben. Und immer wieder macht er Schlagzeilen, weil er kompromisslos und beharrlich ein Leben in Würde für alle Menschen fordert und Ungerechtigkeiten anprangert. Seit Jahrzehnten kämpft der Bischof in Brasilien mit den Einheimischen gewaltlos für deren Rechte. Die Gegner: skrupellose Politiker, Großgrundbesitzer und all jene, die auf Kosten der Armen nach Reichtum streben und dabei nicht vor Gewalt zurückschrecken. „Diese Botschaft ist auch für uns heute und hier aktuell und soll uns als Beispiel gelebter Nachfolge Christi Mut machen!“ sagt Propstpfarrer Martin Korpitsch. Das Gespräch mit Bischof Kräutler wird Gerhard Krammer, künstlerischer Leiter von "Himmel und Haydn", führen, der seit vielen Jahren mit Dom Erwin befreundet ist und ihn in seiner Arbeit vorort am Xingu schon mehrmals erleben durfte.

In seinem aktuellen Buch „ROT WIE BLUT DIE BLUMEN“ erzählt Erwin Kräutler von seiner engagierten, aber auch gefährlichen und lebensbedrohlichen Arbeit als Bischof im Urwald Brasiliens. Schon vor Jahren erklärte einer der Kaziken (indianische Ureinwohner am Xingu): „Der Bischof ist kein Weißer, er ist unser Verwandter.“ Auch aus diesem Buch wird Erwin Kräutler einige Ausschnitte lesen. Dazu wird Robert Kovacs an der Orgel Stücke von Mozart, Haydn und Krammer interpretieren.

Bei der anschließenden Agape wird es die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung und zum Gespräch mit Bischof Kräutler geben. „Wir freuen uns als Pfarre Eisenstadt Oberberg, dass Bischof Kräutler heuer bereits zum zweiten Mal unsere Gemeinde besucht!“ so Ratsvikarin Inge Strobl-Zuchtriegl. „Von seinen Gedanken und Erfahrungen kann sicher ein nachhaltiger Impuls für ein lebendiges Pfarrgemeindeleben ausgehen, wo wir in einen Dialog mit der Weltkirche treten können.“


Mittwoch, 27. Oktober 2010 • Beginn: 19.00 Uhr • Eintritt frei
www.haydnkirche.at

Freitag, 1. Oktober 2010

Bischof Erwin Kräutler mit 'Alternativem Nobelpreis' geehrt

Pax Christi Burgenland gratuliert Dom Erwin Kräutler herzlich zu diese herzlich zum Alternativen Nobelpreis 2010 - er verdient diese internationale Anerkennung und Auszeichnung seiner prophetischen Arbeit! Dadurch können die Solidarität mit ihm und den Menschen am Xingu sowie der 'Einsatz von unten' zugunsten der Wahrung der Würde der Menschen und der Lebenskraft in der Schöpfung wieder ein Stück weiter wachsen!

ORF, 30.0.2010
Alternativer Nobelpreis für Bischof Kräutler
Befreiungstheologe und Umweltschützer
Der in Österreich geborene und seit Jahrzehnten in Brasilien tätige Bischof Erwin Kräutler ist einer der vier Preisträger des Alternativen Nobelpreises 2010. Wie die „Right Livelihood Award Foundation“ am Donnerstag bekanntgab, werde der Bischof der brasilianischen Diözese Xingu für seinen lebenslangen Einsatz für die Rechte der indigenen Völker und für sein unermüdliches Engagement geehrt, „den Urwald des Amazonas vor der Zerstörung zu bewahren“.

Religion.ORF, 30.9.2010
Alternativer Nobelpreis für Bischof Erwin Kräutler
Die Stockholmer Stiftung "Right Livelihood Award“ ehrt Kräutlers unermüdlichen Einsatz für die indigenen Völker Brasiliens sowie seinen angestrebten „Wandel von unten“.

Ö1-Audio-Beiträge und aktuelle Interviews mit Dom Erwin
Alternativer Nobelpreis an Bischof Erwin Kräutler
Einsatz für indigene Bevölkerung

Süddeutsche, 1.10.2010
Belohnung im Kampf für ein besseres Leben
Friedens- und Umweltaktivisten aus Nigeria, Brasilien, Nepal und Israel erhalten den Alternativen Nobelpreis
Für 'lebenslangen Einsatz für die Rechte der indigenen Bevölkerung und unermüdlichen Kampf gegen die Zerstörung des Urwalds' zeichnet die Stiftung den katholischen Bischof Erwin Kräutler aus. Der 1939 in Österreich geborene Geistliche lebt seit den 1960er Jahren in Brasilien und ist von der Befreiungstheologie inspiriert. Er setzte sich dafür ein, dass die Rechte der Urbevölkerung in Brasiliens Verfassung verankert werden. Zudem half er Indiodörfern beim Aufbau von Schulen und Krankenversorgung.